Die strafrechtliche Verfolgung bei Körperverletzungsdelikten

Was Strafverteidiger aus der Praxis berichten:

Das deutsche Strafrecht kennt viele Delikte, wobei man grob unterscheidet zwischen Delikten die die Gesundheit schützen und Delikten, welche Vermögensschutz bewirken. Wie teilt man die Deliktstypen grundsätzlich ein?
In die erste Kategorie fallen Straftatbestände wie Mord und Körperverletzung. In die zweite hingegen Diebstahl, Betrug und Unterschlagung. Rein statistisch gesehen, ist die Körperverletzung eines der häufigsten Delikte in Deutschland.

In welchen Situationen passieren Körperverletzungen?

Es ist schnell passiert – am Abend zu viel getrunken und dann wird man in der Diskothek auch noch angerempelt. Was erst als verbale Diskussion anfängt endet oft in einer körperlichen Auseinandersetzung. Wird dann eine Anzeige erstattet oder die Polizei ist bereits vor Ort, kann dies schnell strafrechtliche Konsequenzen mit sich bringen.
Wichtig ist hier, dass Sie bereits bei der ersten polizeilichen Vernehmung das Recht haben einen Strafverteidiger des Vertrauens zu konsultieren. Dieser kann Sie dann den konkreten Sachverhalt abfragen und evaluieren, ob es Sinn macht auszusagen oder ob man vielleicht nicht doch von seinem Recht zu Schweigen Gebrauch machen soll.
Achtung Tipp: Wenn Sie sich keinen Verteidiger leisten können, kann auch ein Pflichtverteidiger hinzugezogen werden! Die Polizei muss Ihnen eine Liste mit potenziellen Kandidaten zur Verfügung stellen.

Was ist eigentlich eine Körperverletzung?

In § 223 StGB ist das Grunddelikt der Körperverletzung geregelt. In den darauf folgenden Paragraphen sind dann Qualifikationen und Regelbeispiele genannt. Eine Körperverletzung begeht hierbei, wer einen anderen in seiner Gesundheit schädigt – also einen pathologischen Zustand herbeiführt. Gleiches ist zu bejahen bei einer Misshandlung, wenn also bei einer anderen Person eine üble und unangemessene Behandlung vollführt wird.

In einfacheren Fällen mit kleineren Verletzungen und besonders, wenn noch keine Vorstrafe vorliegt, kann die Sache mit einem Strafbefehl eingestellt werden oder aus Opportunitätsgrundsätzen nach § 153 StPO. Wenn nicht wird der Staatsanwalt direkt ein Ermittlungsverfahren einleiten an dessen Ende dann die Entscheidung über Anklage oder Einstellung steht.

Was ist also nach einer Körperverletzung zu tun?

Ist man Opfer einer Körperveletzung geworden gilt es schnell Beweise zu sichern. Man sollte also seine körperlichen Verletzungen durch einen Arzt untersuchen und protokollieren lassen. Danach sollte man sich die persönlichen Daten von präsenten Zeugen geben lassen.

Anschließend kann man die Anzeige entweder direkt bei der Polizei aufgeben oder man kontaktiert den zuständigen Staatsanwalt. Im Prozess kann man sich dann auch entscheiden als Nebenkläger aufzutreten, was den Vorteil hat auch eigene Anträge stellen zu können und auch eine weitere Rechtsinstanz herbeiführen zu können.
Sollten Sie in diesem Fall der Aggressor sein und befürchten, dass Ihnen nun strafrechtliche Konsequenzen drohen, sollten Sie auf jeden Fall mit einem Strafverteidiger sprechen, um hier eine Verteidigungsstrategie festzulegen.

Droht auch die Untersuchungshaft?

Das kommt wirklich nur in schwerwiegenden Fällen in Betracht! Hier bedarf es nach der Strafprozessordung eines dringenden Tatverdachts und zusätzlich eines Haftgrundes. Zudem muss die Untersuchungshaft verhältnismäßig sein.
Gerade wegen der relativ geringen Strafdrohung bei der einfachen Körperverletzung scheitert es meistens bereits an der Verhältnismäßigkeit. Man muss bedenken, dass hier der einzelne Straftäter ein Sonderopfer erbringt, da eine Haft eigentlich nur nach einer Verurteilung in Frage kommt. Davor wird jeder Straftäter durch die Unschuldsvermutung geschützt.

Patrick

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